Was ist eigentlich EINFACH ELTERN Dresden?

Wir stellen uns vor!

EINFACH ELTERN Dresden gibt es mittlerweile seit drei Jahren. Grund genug, uns und unsere Angebote in einem Interview mit der Zeitschrift "Kind und Kegel" ausführlich vorzustellen.

Beraterinnen und Kursleiterinnen von EINFACH ETERN Dresden
Beraterinnen und Kursleiterinnen von EINFACH ETERN Dresden

Kind und Kegel:

Wofür steht Einfach Eltern Dresden, wer steht dahinter, was bieten Sie an?

 

EINFACH ELTERN Dresden:

Wir stehen für einen bindungs- und bedürfnisorientierten Umgang in der Familie. Wir sind sieben Frauen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen. Uns verbindet unsere Elternschaft und der Wunsch, die neuesten Erkenntnisse aus Hirn-, Bindungs- und Entwicklungsforschung verständlich weiterzugeben. Wir bieten Eltern-Kind-Kurse, Workshops sowie Einzelberatungen an, rund um die Entwicklung von Kindern in den verschiedenen Lebensphasen. Dabei beginnen unsere Angebote in der Schwangerschaft und reichen über die Babyzeit bis hin zum Grundschulalter.

 

Kind und Kegel:

Wieso ist Bindung wichtig und wie kann ich die Bindung zu meinem Baby von Anfang an stärken?

 

EINFACH ELTERN Dresden:

Ohne Bindung an Bezugspersonen sind wir Menschen nicht lebensfähig. Erst gut gebunden kann ein Mensch neugierig und selbstsicher neue Lernerfahrungen machen und verarbeiten. Bindung entsteht in der Schwangerschaft. Das ungeborene Kind nimmt bereits jetzt wahr, was um es herum passiert. Eltern können die Bindung gezielt unterstützen, indem sie mit dem Menschen, der in ihnen heranwächst, sprechen, singen und ihn berühren. Nach der Geburt ist das prompte Erfüllen der Bedürfnisse des Kindes wie etwa Hunger, Schlaf und Nähe unerlässlich. Bindung baut sich im ersten Lebensjahr über Körperkontakt auf. Ein Zuviel an Körperkontakt und Nähe gibt es nicht!

 

Kind und Kegel:

Darüber, welche Erziehungsstile und -ziele die richtigen sind, scheiden sich seit jeher die Geister – sind die klassischen Modelle heute überholt? Was sind die Alternativen und worauf kommt es an?

 

EINFACH ELTERN Dresden:

Langfristige Erziehungsziele sind bei den Eltern oft ähnlich. Selbstbewusst, glücklich und durchsetzungsfähig soll das Kind sein. Viele klassische Erziehungsstile verfolgen das kurzfristige Ziel, dass das Kind im Alltag funktionieren soll. Stellt man die langfristigen Ziele und kurzfristigen Wünsche der Eltern gegenüber, zeigt sich eine Diskrepanz. Aus zu Angepasstheit und Gehorsam angehaltenen Kindern entwickeln sich selten selbstbewusste, durchsetzungsfähige Erwachsene. Eher schöpfen diese Kinder ihr Potential nie richtig aus und bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die Alternative ist ein gleichwertiger und achtsamer Umgang innerhalb der Familie. Kinder sind Menschen, denen auf Augenhöhe begegnet werden muss und die ebenso ernst genommen werden wollen.

 

Kind und Kegel:

Welche Rolle spielt das Bauchgefühl dabei?

 

EINFACH ELTERN Dresden:

Das Bauchgefühl vieler Eltern ist oft richtig. Leider wird es in unserer Gesellschaft immer noch von althergebrachten Ratschlägen und veraltetem Wissen untergraben.

 

Kind und Kegel:

Was passiert konkret in den Workshops und Kursen? Wie kann ich mich anmelden?

 

EINFACH ELTERN Dresden:

Wir vermitteln fundiertes Fach- und Hintergrundwissen aus der Hirn-, Bindungs- und Entwicklungsforschung. Außerdem stehen der Austausch der Eltern untereinander und Spielanregungen für die Kinder im Mittelpunkt. Jeder Mensch ist anders in seinem Denken, Fühlen und Handeln. Uns ist es wichtig, dass jede Familie den für sie passenden Weg findet. Dabei bieten wir Unterstützung. Anmeldungen und weitere Informationen zu uns und unseren Angeboten sind zu finden unter www.einfach-eltern-dresden.de.

Die Angebote von EINFACH ELTERN Dresden

In der Schwangerschaft:

FamilienLotSinn®(Mütterpflege) und Schwangerentreff

 

In der Babyzeit:

BabySteps-Babykurse, Stillberatung und Schlafberatung sowie FamilienLotSinn® (Mütterpflege)

 

In der Kleinkindzeit bis Schulalter:

FamiliySteps-Kurse, KinderBesserVerstehen-Kurse und Schlafberatung

Weihnachtsmarktbesuch mit Hindernissen

Nachruf auf die besinnliche Weihnachtszeit mit Kindern

Vorhaben:

Besuch des Weihnachtsmarktes mit Freunden (4 Erwachsene und 3 Kinder)

 

Ablauf:

Familie 1 wartet in dicken Wintersachen im beheizten Auto auf Familie 2.

Nach 20 Minuten Wartezeit trifft Familie 2 ein.

Kindersitze umbauen und Kinderwagen im Kofferraum verstauen, sodass alle 7 Personen mit einem Auto fahren können, um die Parkplatzsuche zu erleichtern und Parkgebühren zu sparen.

Eine große Pappkiste für die Post auf den einen Schoß laden und eine zweite große Pappkiste für den Container auf den anderen Schoß schieben. Abfahrt! Nach 10 Minuten Fahrt umkehren, weil der Beutel mit den Utensilien fürs Kleinkind fehlt, wahrscheinlich liegt er noch im Auto von Familie 2.

Zwei Kinder wollen im Auto Hörspiel und alle Erwachsenen Musik hören. Die Mehrheit setzt sich durch, die Kinder mosern. Parkplatzsuche gestartet. Parkplatz im teuren Innenstadtparkhaus gefunden. Zwei Erwachsene und ein Kind müssen pullern, ab ins Einkaufszentrum. Kein Kleingeld im Portemonnaie. Geld im Nachbarladen wechseln.

Geld vom Automaten holen, um auf dem Weihnachtsmarkt auch etwas kaufen zu können. Zweites Kind muss jetzt doch noch pullern. Wieder zur Toilette ins Einkaufszentrum.

Der Weihnachtsmarkt verlangt heute wider erwarten Eintritt. 16 Euro für alle weg.

Die Erwachsenen wollen Met und die Kinder Punsch. Anstellen, warten, bezahlen.

Eine Sitzgelegenheit für 8 Personen suchen. Kind will den heißen Punsch selbst durch das Gedränge tragen und wird angerempelt. Heißer Punsch läuft über die Hände. Kurz bevor ich bei ihm bin, lässt es den Becher fallen: Punsch und Becher sind futsch, damit auch der Becherpfand, dicke Tränen im Gesicht. Verbrannte Hände und Trauer über das verschüttete Getränk. Viel Trost und ein neuer Punsch sollen helfen. Also wieder zum Getränkestand: einen neuen Kinderpunsch, bitte!

Kleinkind will seinen Buggy selbst schieben und fällt rückwärts in den Schlamm. Kind weint, Eltern putzen wild am Schneeanzug rum.

Kinder haben Hunger. Für jeden eine Bratwurst.

Kinder frieren. Rückreise antreten.

Parkhaus suchen. Dabei weihnachtliche Beleuchtung der Innenstadt bestaunen und alle Kinder im Blick behalten.

Kinder wollen alleine Fahrstuhl fahren. OK, haben sie ja schon mehrfach begleitet und alleine gemacht. Tür schließt sich. Hinter Glas zwei lachende Gesichter, die in die Tiefe rauschen. Im Erdgeschoss plötzliche bitterliches Geschrei. Eltern rennen wie verrückt die Treppen runter. Ein Kind hat sich die Finger eingeklemmt und das andere macht sich Vorwürfe, weil es nicht helfen konnte. Trösten, Selbstvorwürfe anhören und zerstreuen.

Kind mit verletzter Hand muss pullern. Ab wieder Richtung Einkaufszentrum. Kind schreit und weint. Toilette ist bereits abgeschlossen. Im Geschäft daneben nachfragen: "Der macht immer schon eher Feierabend!" Schnell in den Nobelitaliener - die sind ja immer so kinderfreundlich. Geschafft!

Alle ins Auto quetschen. Hörspiel an. Tief durchatmen.

 

Fazit:

Schön war`s!

Geh´ als Mensch zu deinem Kind

Egal ob Robbie Williams, Philipp Lahm oder Otto Normalpapa

In unserer erwachsenen Welt legen wir oft viel Wert darauf, was jemand ist. Dabei stützen wir uns auf Informationen wie Alter, Wohnort, Beruf, Auto und Kleidung. Anhand dieser Fakten versuchen wir, unser Gegenüber in eine Kategorie einzuordnen, aus der er dann nur sehr schwer wieder rauskommt.

Bei Kinder ist das ganz anders. Ihnen ist egal, wie berühmt, erfolgreich oder wohlhabend eine Person ist. Ihnen ist wichtig, dass wir ihnen als Mensch begegnen - authentisch, gleichwürdig, achtsam, liebevoll und wertschätzend. Sie möchten mit Menschen in Kontakt kommen, zu denen sie emotionale Beziehungen aufbauen können. Menschen, die Grenzen haben und für diese eintreten. Sie möchten mit Menschen interagieren, die ihnen Zeit und Bewusstsein schenken. Sie suchen Menschen, die mit ihnen Alltag leben und gestalten. Kurz, sie achten darauf WER wir sind und nicht WAS.

Vor einigen Tagen war ich auf dem Robbie-Williams-Konzert in Dresden. Dort hat der Musiker es wie folgt formuliert: “When my doughter see me on televisison, she ask my wife: After we watched Daddy can I watch what I want?” (“Wenn mich meine Tochter im Fernsehen sieht, fragt sie meine Frau, ob sie anschließend schauen kann, was sie möchte.”) Egal ob Rock-Star, Fußball-Profi, Oberarzt oder Buchhalter, Kinder wollen von uns gesehen werden. Status und Erfolg sind ihnen egal. Schätzen und genießen wir diesen ungetrübten und unbestechlichen Blick unsere Kinder und kehren für sie zu unserem Kern als Menschen zurück.

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Der Mittagsschlaf

Oder wie sich Eltern und Kinder Pausen im Familienalltag schaffen

Bekanntermaßen schläft ein neugeborenes Baby die meiste Zeit des Tages und gönnt Mama und Papa anfangs etwas Zeit, um selbst erst einmal in der neuen Rolle als Eltern eines oder dann mehrerer Kinder anzukommen. Allerdings verändert sich das Schlafverhalten unserer Kinder mit zunehmendem Alter. Erst wird aus dem scheinbar dauerhaften Schlafen ein erkennbares Muster, das oft aus einem Vormittags-, einem Mittags- und einem Nachmittagsschläfchen besteht. Diese können allerdings in ihrer Länge von Kind zu Kind sehr unterschiedlich sein. Dann entfällt bei den meisten Kindern eines dieser drei Schläfchen im Laufe des ersten Lebensjahres. Bis zum Alter von 18 Monaten schläft die Mehrheit der Kinder dann lediglich einmal am Tag, meist um die Mittagszeit herum. Diese regelmäßigen Schläfchen geben den Eltern die Möglichkeit, sich selbst eine Pause zu gönnen, wichtige Dinge zu erledigen, die ihre voll Konzentration erfordern oder Paarzeit zu verbringen. Was aber tun, wenn diese so wertvolle Zeit durch die zunehmende Wachheit des Kindes knapper wird?

Der “geregelte” Mittagsschlaf

Den meisten Kleinkindern merken ihre Eltern um die Mittagszeit an, dass der Akku erst einmal leer ist und an die Ladestation gehangen werden sollte. Dann ist es an den Eltern, die geeigneten Schlafbedingungen für das eigene Kind herzustellen. Das kann ein einschlafbegleiteter Mittagsschlaf im Bett, ein Spaziergang mit Trage oder Kinderwagen aber auch eine Autofahrt sein. Wichtig ist, dass die Eltern diese Pause nutzen, um auch ihre eigenen Ressourcen zu überprüfen. Denn nach einem erholsamen Mittagsschlaf erwartet sie nicht selten ein energiegeladenes Kind, das spielen, toben und entdecken möchte.

Die Phase, in der Kleinkinder ziemlich verlässlich ihren Mittagsschlaf einfordern und auch nach wenigen Minuten eingeschlafen sind, ist eine sehr wertvolle Zeit. Pausen für die Eltern oder Erledigungen sind gut planbar. Und trotz Mittagsschlaf sind die Kinder abends dennoch ausgepowert und müde.

Der “verweigerte” oder "ausschleichende" Mittagsschlaf

Gleich vorab: Dies ist für die Eltern oft die anstrengendste Phase. Da der Mittagsschlaf ein endliches Phänomen ist, schleicht er sich, je nach individuellem Schlafbedarf des Kindes, früher oder später langsam aus. Dann kommt die Zeit, in der das Kind um die Mittagszeit schon noch müde wird und das auch anzeigt, z. B. durch nachlassende Konzentration, Stimmungsabfall oder gar Weinen. Dennoch möchte es oft keinen Mittagsschlaf mehr machen, weil es ja schon groß ist und es jede Menge spannender Dinge zu entdecken gibt. Außerdem ist die Müdigkeit in dem Alter mittags nicht mehr so groß, dass dem Kind sofort die Augen zufallen. Vielmehr erfordert es etwas Geduld einzuschlafen. Ein Machtkampf um den Mittagsschlaf macht in dieser Situation keinen Sinn, denn eine Diskussion mit einem müden Kind ist selten von Erfolg gekrönt und führt meist lediglich zu einer Blockade auf beiden Seiten. Manche Kinder nehmen sich mittags die Ruhe, die sie brauchen selbst und ziehen sich für eine entspannende Tätigkeit zurück. Sie schauen Bücher an, kommen kuscheln, möchten vorgelesen bekommen, malen oder hören ein Hörspiel. Dies kann von den Eltern auch angeboten und liebevoll begleitet werden.

Eine andere Möglichkeit ist, dass Eltern in ihrer Verantwortung den Tagesablauf so planen, dass zur Mittagszeit eine Fahrt mit dem Auto oder Fahrrad ansteht, denn im Autositz oder Fahrradanhänger schlafen oft die hartnäckigsten “Schlafverweigerer” selig ein. Das ist eine gute Alternative, wenn viele mittagsschlaffreie Tage aufeinander folgen und sich das Schlafdefizit summiert. Gleichzeitig wird daran deutlich, welchen Vorteil es hat, wenn das Kind zunehmend unabhängiger vom Mittagsschlaf wird: Die familieninterne Tagesplanung wird flexibler und Ausflüge können für den gesamten Tag geplant werden.

In der Phase des ausschleichenden Mittagsschlafes ist es wichtig, dass die Eltern auf ihre eigenen Kraftreserven achten und sich kleinere Pausen und Erholungsinseln im Alltag schaffen. Kinder haben Verständnis dafür, wenn die Mama mal zehn Minuten in Ruhe ihren Kaffee trinken möchte oder der Papa den Sportteil der Zeitung studiert. Alle Familienmitglieder haben ein Recht auf Erholung, das im Familienalltag Berücksichtigung finden sollte.

Wenn die elterlichen Ressourcen an manchen Tagen knapp sind und die Nerven blank liegen, weil die Nacht schlaflos war, kann auch ein Märchenfilm für Entspannung sorgen. Wenn sich die ganze Familie auf der Couch zusammen kuschelt, können die Eltern durchschnaufen oder gar kurz die Augen zumachen und die Kinder entspannen ebenfalls. Für mich persönlich ist der Fernseher kein Allheilmittel, aber bevor ich über meine Grenzen gehe und meine Kinder anschreien ist er für mich ein adäquates Hilfsmittel. Voraussetzung ist dabei für mich, dass ich weiß, was meine Kinder schauen und ich dabei bin, wenn sie fernsehen. So können sie mich jederzeit ansprechen, wenn sie Fragen zum Gesehenen haben. In der Zeit, in der die Tage mit Mittagsschlaf abnehmen, können wir meist noch ein weiteres Phänomen beobachten: Im Kindergarten machen die Kinder oft noch bereitwillig ihren Mittagsschlaf, während er zu Hause längst abgeschafft wurde. Das liegt zum großen Teil daran, dass im Kindergarten eine Gruppendynamik besteht. Wenn sich alle Kinder mittags hinlegen, gibt es wenig Spielraum für Diskussionen. Oft lassen sich Kleinkinder auch am Wochenende beispielsweise vom Papa noch gut ins Bett bringen, während die Mama keine Chance mehr hat. Auch das ist normal und der Hierarchie der Bezugspersonen geschuldet.

Der “abgeschaffte” Mittagsschlaf

Wenn die Phase des ausschleichenden Mittagsschlafs überstanden ist, kommt die Zeit, in der der Mittagsschlaf ganz abgeschafft wird. Jetzt können die Kinder den fehlenden Schlaf sehr gut kompensieren, die Laune bleibt den gesamten Tag über relativ stabil und auch im Auto schlafen sie nur noch äußerst selten ein, z. B. wenn sie krank sind oder abends sehr lange wach waren.

Diese Zeit ist dann für alle Familienmitglieder sehr entspannt. Auch anstrengende Tagesausflüge können unternommen werden und die gesamte Alltagsgestaltung wird sehr flexibel. Aber auch hier gilt für die Eltern, die eigenen Kräfte im Blick zu behalten und sich Pausen zu nehmen.

Bei uns ist das ganz anders

Und das ist absolut normal und gut so. Denn wie bei Erwachsenen sind auch Kinder in ihrem Schlafverhalten sehr individuell. Das betrifft sowohl die Gesamtdauer des Schlafes als auch dessen Verteilung auf den Tag. Auch die Schlafbedingungen können komplett verschieden sein - auch zwischen Geschwisterkindern. Während das eine Kind die immer gleichen Rahmenbedingungen benötigt, um gut einschlafen zu können, schläft das andere Kind wo es geht und steht. Daher ist es wichtig, dass die Eltern ihr Kind gut kennen und liebevoll und entspannt auf dessen Bedürfnisse eingehen können.

 

Katja Schill


Wer mehr über den Babyschlaf im Allgemeinen wissen möchte, kann sich für einen unserer BabySteps-Kurse anmelden.

Wer eine individuelle Schlafberatung wünscht, kann uns gern eine Terminanfrage senden.

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Unsichere Rechtslage auf dem Spielplatz

Von Spielplatz-Rabauken und Erwachsenen als Ordnungshüter

Wer denkt, dass Spielplätze “rechtsfreie Räume” sind, in denen sich Kinder frei von elterlicher Einflussnahme bewegen und miteinander interagieren können, der irrt. Auch hier tritt der gemeine Erwachsene, meist in Form eines Elternteils oder der Großeltern, häufig regelnd und moralisierend in Erscheinung.

Es ist mittlerweile hinlänglich bekannt, dass Kinder erwachsenenfreie Zeit brauchen, um sowohl ihr Sozialverhalten als auch ihre motorischen Fähigkeiten testen und schulen zu können. Leider bekommen sie diese viel zu selten, oft nicht einmal auf dem Spielplatz.

Regelnde Erwachsene

Nicht selten sehe ich, dass Erwachsene selbst größere Kinder ab drei Jahre auf Schritt und Tritt über den Spielplatz begleiten, sich an der Rutsche postieren und gewissenhaft dafür sorgen, dass sich alle Kinder anstellen und niemand die Rutschfläche hochklettert anstatt sie runter zu rutschen. Oder sie klären kleinere Kinderbanden, die ein Spielgerät ausschließlich für sich beanspruchen, darüber auf, dass die Geräte allen gehören und folglich auch von allen benutzt werden dürfen. Wieder andere achten penibel darauf, dass an der Schaukel in regelmäßigen Zeitabständen gewechselt wird und jedes Kind einmal in das Vergnügen kommt, die Schaukel zu benutzen.

Ich beobachte sehr oft, dass Kinder derartige Konflikte gut untereinander klären, wenn sie Gelegenheit dazu bekommen. Genau in solchen Situationen können Kinder das beobachtete Sozialverhalten in der Praxis anwenden und verfeinern. Auf diese Art und Weise sammeln sie wichtige Erfahrungen. So wird beispielsweise die von Erwachsenen oft geforderte Geduld geschult, wenn ein Kind etwas länger warten muss, bis es schaukeln oder rutschen kann. Oder das Kind macht die Erfahrung, dass es größere und stärkere Kinder gibt, gegen die es sich entweder durchsetzen kann oder mit denen es sich arrangieren muss. Natürlich ist es für Eltern schwierig, das eigene Kind als “Verlierer” zu sehen, jedoch ist auch das Teil unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens und schult die Frustrationstoleranz unserer Kinder.

Moralisierende Erwachsene

Erwachsene greifen jedoch nicht nur regelnd in das Spielplatzgeschehen ein, sondern bewerten das Verhalten der Kinder auch anhand erwachsener Moralvorstellungen. So wird es nicht gern gesehen, wenn ein Kind an der Rutsche drängelt oder das Sandspielzeug eines anderen Kindes ungefragt benutzt. Dann wird das Kind auf sein “Fehlverhalten” hingewiesen und zur Regelkonformität aufgefordert. Dadurch moralisieren und problematisieren Erwachsene das altersgerechte Verhalten des Kindes.

Kinder sind bereit, soziale Regeln anzuerkennen und zu befolgen, denn sie wollen Teil der Gruppe sein. Wir als Eltern tragen Sorge dafür, dass unsere Kinder diese Regeln kennen lernen und in ihrem eigenen Tempo übernehmen können - ohne Belehrungen, Standpauken und moralische Bewertungen, sondern wertschätzend, liebevoll und achtsam.

Wer ist eigentlich im Recht?

Oft befinde ich mich angesichts der klassischen Spielplatzkonflikte selbst in einer Zwickmühle und scheue mich davor zu entscheiden, was richtig und was falsch ist. Wenn beispielsweise ein Kind auf einem Spielgerät sitzt und dieses für sich allein beansprucht, beruft es sich darauf, dass es zuerst da gewesen sei. Das wartende Kind seinerseits beruft sich darauf, dass der Spielplatz für alle da sei und man teilen müsse. Tja, für wen spreche ich mich jetzt aus? Welches Kind ist im Recht? Wobei “Recht” eine Denkkategorie Erwachsener ist. Kinder erwarten nicht, dass wir als Erwachsene Recht sprechen oder eine Lösung für ihre Konflikte finden. Wichtig an dieser Stelle ist, dass jedes Kind mit seinem Anliegen gehört wird. Denn ist es nicht vielmehr so, dass unsere Kinder empathische und liebevolle Eltern brauchen und nicht Richter, die über ihr Verhalten urteilen? In der Erwachsenenwelt treten Richter meist erst auf den Plan, wenn den Parteien über Kommunikation und Vermittlung keine Einigung gelungen ist. Diese Chance nehmen wir den Kindern, wenn wir uns zu früh einmischen. Wenn ich mich als Erwachsener in dieser Situation jedoch ganz entspannt zurücklehne, gebe ich den Raum für etwas ganz Tolles frei: Die Kinder kommen miteinander ins Gespräch und finden möglicherweise einen Ausweg, der mir selbst nie eingefallen wäre und mit dem beide zufrieden sind, weil dieser nicht von oben, sondern aus ihnen selbst heraus entstanden ist.

Spielplatz als Chillout-Zone für Erwachsene

Mein Vorschlag ist, dass auch Erwachsene die Zeit auf dem Spielplatz für sich selbst nutzen, ein Buch lesen, die Natur oder die eigenen Kinder beobachten und über deren Kompetenz staunen, sich zurücknehmen und vertrauen. Und doch bereit sind, wenn die Kinder sie um Hilfe bitten oder einfach nur gesehen werden möchten.

 

Katja Schill

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